Ehrenpräsident Axel Dünnwald-Metzler
Axel Dünnwald-Metzler
Axel Dünnwald-Metzler


Ehrenpräsident Axel Dünnwald-Metzler †


Diese Seite soll in Gedanken an Axel Dünnwald-Metzler sein, der am 6. April 2004 verstorben ist.

Die Stuttgarter Kickers werden ihm immer ein bleibendes Andenken bewahren, denn kein Präsident prägte die Vereingeschichte der Kickers wie Axel Dünnwald-Metzler.  Im Mai 1979 übernahm er für 24 Jahre das Amt und unter seinem Vorsitz und dank seiner finanziellen Förderung gelang den Blauen die größten Erfolge der Vereinsgeschichte: zweimal (1988 und 1991) gelang der Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga und 1987 stand der Verein im Finale um den DFB-Pokal.

Axel mit seiner Ursi
Axel mit seiner Ursi

Im Leben von Axel Dünnwald-Metzler, dessen Initial "ADM" während den 24 Jahren an der Spitze der Stuttgarter Kickers zu einem Markenzeichen des Deutschen Fußball wurde, spielten die Kickers eine tragende Rolle.

Axel Dünnwald wurde als Sohn von Josef Dünnwald, Staatskapellmeister an der Stuttgarter Oper, geboren. 1949 trat der Sproß einer ebenso musischen wie sportlichen Familie den Kickers bei und spielte in der Jugend und als Aktiver zwischen 1958 und 1961 in der Abwehr des Vereins in der Oberliga Süd, der damals höchsten Spielklasse im deutschen Fußball. Seine aktive Karriere beendete er früh im Alter von 22 Jahren, als er nach einem Foul an einem Gegenspieler und der damit verbundenen Sperre auf weitere Einsätze verzichtete.
Nun widmete er sich stärker seiner beruflichen Karriere und begann bei der Firma Metzler International, dem damals größten Brillenvertrieb der Welt, als Geschäftsführer zu arbeiten. Dort lernte er Ursi Metzler, die Tochter des Firmeninhabers kennen, seine spätere Frau.

Sein Leben blieb immer eng mit den Stuttgarter Kickers verbunden. Im Mai 1979 übernahm er bei den Stuttgarter Kickers schließlich das Amt des Präsidenten. Unter seinem Vorsitz und dank seiner finanziellen Förderung gelang den Blauen die größten Erfolge der Vereinsgeschichte: zweimal (1988 und 1991) gelang der Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga und 1987 stand der Verein im Finale um den DFB-Pokal in Berlin. Spielerpersönlichkeiten wie Guido Buchwald, Jürgen Klinsmann, Karl Allgöwer oder Fredi Bobic waren ihm ans Herz gewachsen. Für ADM zählte aber der Ausbau und die Renovierung seines „Schmuckkästchens“ Waldau-Stadions (1993) und vor allem auch die Übernahme des ehemaligen Uni-Stadions im Königsträßle in Degerloch zu den wichtigsten Meilensteinen seiner Amtszeit. Ab 1989 hatten die Kickers voller Stolz ihr eigenes Gelände, und einen besseren Namen wie ADM-Sportpark hätte man für die neue Heimat nicht finden können.

Im Sommer 2003 trat Axel Dünnwald-Metzler von seinem Amt als Kickers-Präsident zurück. Auf der Mitgliederversammlung wurde er nach seiner letzten Rede mit stehenden, lang anhaltenden Ovationen von seiner Kickers-Familie verabschiedet. Am Donnerstag, 15. April 2004 mussten die Kickers Abschied nehmen von ADM, denn Axel Dünnwald-Metzler ist nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren am 6. April 2004 verstorben.

Seine Frau Ursi und die beiden Kinder Alexandra und Alexander, viele Freunde und Weggefährten aus Sport, Politik und Gesellschaft nahmen Abschied von ADM. Mehr als 1000 Menschen versammelten sich zum letzten Geleit für den Kickers-Ehrenpräsidenten auf dem Stuttgarter Pragfriedhof. Die große Trauerhalle war zu klein, um die Schar der Weggefährten und Freunde von ADM aufzunehmen. Unter den zahlreichen Gästen der Trauergemeinde gab es viel Prominenz. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, DFL-Präsident Werner Hackmann und Geschäftsführer Wilfried Straub, aus der Bundesliga Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt), Michael Meier (Borussia Dortmund), Erwin Staudt (VfB Stuttgart), Wolfgang Holzhauser (Bayer Leverkusen), die ehemaligen Kickers-Trainer Wolfgang Wolf, Rainer Zobel, Dragoslav Stepanovic, Markus Sorg, Rainer Adrion, viele ehemalige Kickersspieler und die aktuelle Mannschaft um Trainer Robin Dutt war geschlossen bei der Beerdigung.
Während der einstündigen Trauerfeier in der Aussegnungshalle würdigten vier Redner die Verdienste von ADM. Sein Lieblingslied „My way“ stand am Ende der bewegenden Trauerfeier.

Zuerst fand in der Aussegnungshalle die Trauerfeier statt. Die Trauerredner erinnerten an viele Eigenschaften und Talente des gelernten Kaufmanns und späteren Unternehmers. Für die Familie sprach Monsignore Bernhard Stodt, ein Vetter des Verstorbenen. Er machte auf die schicksalhafte Parallele aufmerksam wonach ADMs Schwiegervater Philipp Metzler, in den 50iger Jahre selbst Kickers-Präsident, ebenfalls mit 64 Jahren starb, so dass sich ADM schon in den jungen Jahren in die Verantwortung gestellt sah.

Für die Stadt würdigte erste Bürgermeister Michael Föll. „Er war eine herausragende Persönlichkeit und ein Gütesiegel für die Stadt und die Region“ sagte Föll, „er war ein Mann der die Zukunft tatkräftig gestaltet hat. Wo stünde Stuttgart wenn es nicht solche Menschen gäbe die mehr tun als nur ihre Pflicht?“ Wenige Monate vor seinem Tod hatte die Landeshauptstadt Stuttgart ADM zum „Sportpionier“ der Landeshauptstadt ernannt.

DFB Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, als Chef des VfB Stuttgart langjähriger Wegbegleiter, hob ADMs Verdienste um den Sport hervor: „Er hat die Fußballgeschichte in Stuttgart mitgeschrieben und sowohl die Kickers als auch den gesamten Deutschen Fußball nach vorne gebracht“, sagte Gerhard Mayer-Vorfelder , der an ADM vor allem „seine Selbstironie, seinen trockenen und tiefsinnigen Humor und sein Gefühl für Freundschaften“ geschätzt hat. Trotz der Konkurrenz beider Vereine seien er und ADM über all die gemeinsamen Jahre hinweg sehr freundschaftlich verbunden gewesen. An die Witwe Ursi und die Kinder gewandt sagte Gerhard Mayer-Vorfelder: „Wir wissen was ihr verloren habt.“ Er versprach immer für die Familie da zu sein und wünschte „Kraft und Gottes Hilfe“.

Hans-Jürgen Wetzel, Aufsichtsratsvorsitzender der Kickers, nannte ADM „unseren größten Sponsor und Gönner. Das Herz der Kickers ist tot. Ohne ihn würde es die Stuttgarter Kickers nicht mehr geben.“ Er gab mit Tränen erstickter Stimme ein Versprechen ab: „Wir werden versuchen sein Lebensweg fortzuführen.“

Der frühere Ministerpräsident Prof. Dr. Lothar Späth hob in seiner freien rede ADMs Fähigkeiten hervor, seine Mitmenschen zu begeistern und zusammenzuführen. „Ihm sind die Herzen zugeflogen wie man kommuniziert und gemeinsam Probleme löst. ADM war ein großartiger Mitbürger, ein großartiger Mensch.“

Das Lieblingslied von ADM stand am Ende einer bewegenden Trauerfeier „My Way“ auf Deutsch und Englisch vorgetragen von Edward Gauntt. Dann wurde der blumengeschmückte Sarg zum Grab gebracht, vorbei an unzähligen Trauerkränzen und Blumengestecken. Auf seinem letzten Gang ehrten alle den Mann, der die Kickers wie kein anderer in ihrer über 100jährigen Geschichte personifizierte.

ADM (li.) mit Jürgen Klinsmann
ADM (li.) mit Jürgen Klinsmann


Bruno Bienzle, Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten und absoluter Kickers-Fan, hatte zum 60. Geburtstag von ADM folgende Hommage geschrieben.

"Unser ADM wuchs heran und gedieh zwischen den Polen Kultur und Sport: So spielte schon Vater Josef Dünnwald für den ruhmreichen VfL Benrath im Rheinland, dessen Trikot in seiner Zeit als Zweitligist später auch Sohn Rolf trug.
Doch der Reihe nach: Josef Dünnwald, jahrzehntelang Staatskapellmeister der Württembergischen Staatstheater, kam 1939 nach Stuttgart, wo dem 1937 geborenen Rolf (heute Dr. jur. in Hamburg) die Söhne Axel und Achim (geboren 1943, heute Generalintendant der Hessischen Staatstheater in Wiesbaden) folgten.
Wie schon der Vater, der als musikalisches Wunderkind im zarten Alter von acht Jahren seine ersten Klavierkonzerte gab (und deshalb unter dem Pseudonym Josef Bach dem Lederball nachjagte, da beides für unvereinbar gehalten wurde), bewegte sich Klein-Axel zwischen Klavier (mit dem gestrengen Vater als Lehrer) und der Kickerei, wobei sich beim Sohn die Waage der Talente deutlich zum Ballsport neigte.
Dies veranlasste den Vater im Anschluss an ein öffentliches Vorspiel seines Sohnes im Stuttgarter Jugendhaus, bei dem Letzterer glaubte, sich gut geschlagen zu haben, zu der Gretchenfrage: „Spielst du eigentlich lieber Fußball oder Klavier?“ Und als der 14-Jährige sich erleichtert zum Kicken bekannte, hatte der Vater ein Einsehen: „Gut, dann mach das. Aber mach es richtig.“
Richtig zu machen hatte er es schon vom zehnten Lebensjahr an versucht, als er zusammen mit dem älteren Bruder Rolf zur Kickers-Jugend stieß. Das bot sich schon deshalb an, weil die Familie Dünnwald von 1948 bis 1950 in Degerloch wohnte. Und nicht nur des 100-Tore-Sturms wegen zog es Vater und Söhne regelmäßig auf den Kickers-Platz. Kontakt zu den Blauen als dem führenden Verein der Stadt hatte Josef Dünnwald schon lange vorher gefunden. So mancher Kickers-Festivität verlieh er als Pianist – zusammen mit weiteren renommierten Künstlern – die besondere Note.
Auch nach dem jähen Ende der Klavier-Karriere von Dünnwald junior blieb dieser der Kultur treu als ständiger Statist auf der Opernbühne, nachdem er zuvor schon als Mitglied des Kinderchors Bühnenerfahrung gesammelt hatte. Im Fußball hingegen strebte er eine Hauptrolle an. Und als ihm der Wunsch, als B-Jugendlicher an der Seite des großen Bruders in der A-Jugend spielen zu dürfen, abgeschlagen wurde, wechselte er in der Saison 1955/56 doch tatsächlich die Farben und heuerte beim roten Erzrivalen auf dem Wasen an, mit dem er dann auch noch einen 1:0-Endspielsieg gegen die Kickers erstritt.
Danach war der Seitensprung aber auch schon beendet, lockten die Kickers ihr abtrünniges Talent doch mit dem Versprechen zurück, er dürfe fortan mit der ersten Mannschaft trainieren. 1957, gerade 18 geworden, rückte er auch als frischgebackener Vertragsspieler in die Erste ein.
Als die verjüngte Elf der Blauen auf Anhieb die Rückkehr in die Oberliga schaffte und Bundestrainer Seppl Herberger das Kickers-Talent zum Sichtungslehrgang bestellte, hing der Fußballhimmel für den verhinderten Pianisten voller Geigen.
Dann freilich knüpfte unser Himmelsstürmer im Abwehrzentrum plötzlich zarte Bande zu seiner Ursi. Und diesmal stellte der künftige Schwiegervater (und frühere Kickers-Präsident) Philipp Metzler die Schicksalsfrage. Perspektive in der Firma Metzler International samt Aussicht auf die Hand der Tochter oder Fußball in Degerloch. Und wieder zögerte der Draufgänger keine Sekunde, zog die Kickstiefel aus und verdingte sich, gerade 22 geworden, in der Niederlassung Hannover im Außendienst, wo aus geplanten sechs Wochen volle sechs Jahre werden sollten.
Zurück in Stuttgart, entdeckte er die Liebe zu seinen Kickers wieder neu. Der Rest ist ein großes Stück Kickers-Geschichte ..."

ADM (li.) mit Jürgen Wetzel
ADM (li.) mit Jürgen Wetzel


Ehemalige Profis der Blauen und Weggefährten des Ehrenpräsidenten zeigen sich bestürzt über dessen Tod:


Erwin Teufel (damaliger ehemaliger Ministerpräsident): „Unser Bundesland hat einen überzeugten Förderer des Sports und ein Vorbild für das so wichtige Ehrenamt verloren. Ich habe Axel Dünnwald-Metzler aus vielen persönlichen Begegnungen über viele Jahre hinweg gekannt und vor allem seine offene, direkte und gradlinige Art geschätzt.“

Hans Kullen (damaliger Kickers-Präsident und Nachfolger von ADM): „Für mich war Axel Dünnwald-Metzler ein Vorbild. Die Kickers waren sein Leben, er ist unvergänglich mit diesem Club verbunden. Für mich war ADM ein ganz Großer.“

Gerhard Mayer-Vorfelder (damaliger DFB-Präsident): „Ich habe einen treuen und guten Freund verloren. Durch unsere Beziehungen ist auch – bei aller Konkurrenz – das Verhältnis zwischen den Kickers und dem VfB sehr persönlich geprägt worden. Ich wage zu behaupten: Ohne ihn gäbe es die Kickers nicht mehr. Unsere Freundschaft ging aber auch weit über den Fußball hinaus. Sie war bestimmt von vielfältigen gemeinsamen Interessen und von dem oft tiefsinnigen und selbstironischen Humor von Axel.“

Jürgen Klinsmann (Ex-Profi und ehemaliger VfB- und Kickers-Spieler): „Für mich war er immer eine Art Vaterfigur. Besonders bemerkenswert war, dass ihm die Entwicklung des Menschen so wichtig war wie die Entwicklung des Fußballers. Er war immer in positiver Stimmung. Ohne sein Engagement wären die Erfolge der Stuttgarter Kickers nicht möglich gewesen.“

Ralf Vollmer (Ex-Profi und ehemaliger Geschäftsführer): „Die Nachricht hat mich tief bestürzt: Mir haben die Knie gezittert, als ich sie erfahren habe. Ich kannte ADM seit über 20 Jahren, mit ihm habe ich bei den Kickers alle Höhen und Tiefen durchgemacht. ADM war eine Vaterfigur für mich.“

Hans-Jürgen Wetzel (damaliger Kickers-Aufsichtsratsvorsitzender): „Ich habe einen guten Freund verloren, und die Kickers haben ihr Herz verloren.“

Dr. Wolfgang Schuster (damaliger OB Stuttgart): „Ich habe ihn geschätzt seit meinen Tagen als persönlicher Referent von OB Manfred Rommel. Seine große Leidenschaft für den Fußball hat mich begeistert. Er war ein Grandseigneur des Sports.“

Robin Dutt (damaliger Kickers-Trainer): „Jeder, der ihm gegenüberstand, spürte seine Aura. Er konnte mit wenigen Worten das ausdrücken, was er sagen wollte. Ich habe vor allem seine klare Linie geschätzt. Sein Tod ist ein menschlicher Verlust.“

Dieter Dollmann (Ex-Profi und ehemaliger Manager): „Der Tod von ADM hat mich schwer getroffen – er war ein großartiger Mensch als Unternehmer wie im Sport. Ich kannte ADM seit 1979 und war bis zu meinem Ausstieg bei den Kickers 1993 sehr eng mit ihm verbunden.“

Rainer Zobel (Ex-Trainer): „Für mich war ADM ein Freund. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meiner Karriere jemals einen Vereinspräsidenten meinen Freund nennen würde, doch bei ihm war es so. Als ich zum zweiten Mal als Trainer einsteigen sollte, wollte ich ablehnen. Doch dann bekam ich ein schlechtes Gewissen – ich konnte nicht anders, als ADM zuzusagen.“

Guido Buchwald (Ex-Profi): „Die Nachricht hat mich getroffen. Als ich meinen ersten Vertrag unterschrieben habe, war er erst seit kurzem Kickers-Präsident. In den gemeinsamen Jahren hat er mir stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich konnte immer zu ihm kommen.“

Werner Schüle (damaliger Vorsitzender des Sportkreises Stuttgart): „Der Tod von ADM hat mich sehr betroffen gemacht. Den Kickers gehörte sein Leben, in über 24 Jahren hat er als Präsident die Geschichte der Kickers und damit auch die des Stuttgarter Sports mitgeschrieben.“

Karl Allgöwer (Ex-Profi): „Als ich von seinem Tod erfuhr, war ich geschockt. Ich war 21, als ADM bei den Blauen einstieg, und ich merkte sofort: Das ist einer, der nicht nur große Sprüche klopft, sondern sich klare Ziele setzt. Es zeugte auch von menschlicher Größe, dass er mich zum VfB wechseln ließ, obwohl er den Vertrag am liebsten verlängert hätte.“

Gunter Barner, Sport-Chef der STN: „ADM, keine Frage, war ein Edelmann des Sports. Tief geprägt von preußischen Tugenden. Pflichtbewusst, heimatverbunden, ehrgeizig, loyal, aufrichtig und bescheiden. Dabei durchaus ein wenig eitel und sensibel. Mit dem Narziss in sich selbst durchaus im Reinen. Aufbrausend, wenn er Ungerechtigkeit witterte. Versöhnlich, wenn er den kleinen menschlichen Schwächen begegnete.“